International Economic Law

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Die Fehleinschätzungen des „Washington Consensus“ in der Entwicklungspolitik

September 12, 2008 · 1 Kommentar

„Wenn man einem Papagei den Spruch »fiskalische Austerität, Privatisierung und Marktöffnung« beigebracht hätte, dann hätte man in den achtziger und neunziger Jahren auf den Rat des IWF verzichten können“[i]. Als Schwesterinstitution des Internationalen Währungsfonds kann man der Weltbank dieselbe wirtschaftsideologische Engstirnigkeit unterstellen. Ohne die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu beachten, die erfüllt sein müssen, damit die marktwirtschaftlichen Strategien des Washington Consensus ihre Wirkung zeigen können, wurden Sparsamkeit, Privatisierung und Liberalisierung als wirtschaftliche Wunderheilmittel angepriesen und prinzipiell auf die entwicklungspolitischen Konzepte für jedes Entwicklungsland angewandt. Dies ging soweit, dass diese „wirtschaftspolitischen Leitlinien als Selbstzweck“ betrachtet wurden „statt als Mittel zu einem gerechter verteilten und nachhaltigeren Wachstum“[ii]- mit teilweise schwerwiegenden Folgen. Die Zahlen der letzten Jahre zeigen, dass die Anzahl der Armen weltweit zunimmt, und dass die Entwicklungsländer im Bereich des landwirtschaftlichen Handels zu Nettoimporteuren und die entwickelten Länder zu Exporteuren landwirtschaftlicher Erzeugnisse geworden sind[iii].

Die Entwicklungskonzepte von IWF und Weltbank haben dabei nicht nur oftmals keine Wirkung gezeigt, sondern die betroffenen Länder teilweise noch stärker in die Verschuldung getrieben oder deren wirtschaftliche Entwicklung behindert.

Die von den Entwicklungsländern geforderte und vielmals übertriebene Sparpolitik hat vor allem in Lateinamerika in den achtziger Jahren zu einer hohen Arbeitslosigkeit geführt, die nicht von sozialen Sicherheitsnetzen aufgefangen werden konnte[iv]. Um die oftmals ineffizient großen Staatsapparate zu schmälern, wurden als unrentabel geltende staatliche Wirtschaftsunternehmen privatisiert, wobei die internationalen Finanzinstitutionen davon ausgingen, dass die dadurch entstandenen Versorgungslücken schnell von privaten Anbietern gefüllt werden würden. Dabei wurde missachtet, dass in den betroffenen Sektoren der Staat oftmals nur deshalb aktiv geworden war, weil sich keine privaten Anbieter dafür finden ließen. Versorgungsengpässe in teilweise überlebenswichtigen Bereichen wie etwa der Wasserversorgung waren die Folge. Zudem begünstigten die übereilten Privatisierungen die Herausbildung von Monopolstrukturen, da wichtige Wirtschaftsbereiche privatisiert wurden, bevor die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine vernünftige Wettbewerbspolitik geschaffen wurden. Die vorgenommenen Privatisierungen schadeten vielmals auch den Arbeitnehmern, da die sozialen Kosten der Erwerbslosigkeit von Privatunternehmen – im Gegensatz zum öffentlichen Sektor – schlichtweg nicht berücksichtigt werden[v]. Da es in den Entwicklungsländern kaum Sozialleistungen gibt, die die negativen Effekte der Erwerbslosigkeit abfedern, sind bei den im Rahmen der Privatisierung normalerweise anfallenden Entlassungen oftmals soziale Unruhen die Folge. Die Kriminalität steigt sowie die Zahl der Schulabbrüche, da in der Folge oftmals Kinder arbeiten müssen, um ihre arbeitslos gewordenen Eltern zu unterstützen. Von einer Steigerung der Wohlfahrt kann man in diesen Fällen in der Mehrzahl nicht reden.

Auch der Abbau von Handelsschranken und die Liberalisierung der Kapital- und Finanzmärkte, die an den Finanzkrisen der neunziger Jahre entscheidenden Anteil hatte, haben vielmals verheerende Folgen für die Entwicklungsländer. Der Verlust von Arbeitsplätzen „ist häufig die unmittelbare Folge der Handelsliberalisierung, da ineffiziente Wirtschaftszweige unter dem Druck des internationalen Wettbewerbs eingehen“[vi]. Hinzu kommt, dass die westlichen Industriestaaten ihre Märkte gegen die mögliche Konkurrenz der Erzeugnisse aus den Entwicklungsländern abschotten, während sie über Institutionen wie die Weltbank von den Entwicklungsländern eine Öffnung der Märkte für westliche Produkte fordern. Es ist bezeichnend, dass die bisher erfolgreichsten Entwicklungsländer in Ostasien diejenigen waren, die sich dieser einseitigen Liberalisierungspolitik widersetzt hatten und ihre Märkte nur langsam für die internationale Konkurrenz öffneten, nachdem sicher war, dass die einheimischen Produzenten in den betroffenen Bereichen keine schwerwiegenden Nachteile mehr hatten.

Letztendlich hat sich am Beispiel vieler Entwicklungsländer gezeigt, dass das Theorem der unsichtbaren Hand von Adam Smith nicht reibungslos abläuft und auch gar nicht reibungslos ablaufen kann, weil in diesen Ländern viele Voraussetzungen für das Funktionieren der automatischen Marktprozesse gar nicht gegeben sind. Der IWF und die Weltbank beharrten dennoch lange Zeit auf diesen eine schnelle Heilung versprechenden Konzepten, obwohl deren Versagen in verschiedenen Untersuchungen schon lange offen gelegt war. Warum also hielten die beiden Bretton Woods- Institutionen trotzdem noch so lange intensiv an den Entwicklungsstrategien des Washington Consensus fest und tun das teilweise auch noch heute, obwohl deren Erfolg für die entwicklungspolitischen Ziele ihrer Partnerländer schon lange bezweifelt werden muss? Es drängt sich der Verdacht auf, dass es nicht nur darum geht, die alleinigen Interessen der Entwicklungsländer zu schützen. „Wer das Geld hat, hat auch im Währungsfonds und in der Weltbank das Sagen“[vii].

Um noch einmal Joseph Stiglitz, den ehemaligen Chefökonom der Weltbank, zu zitieren:

„Ich sah mir genau an, was für Fehler der IWF gemacht hatte, die in den Krisenländern in Ostasien, Lateinamerika, Afrika und in den Reformländern, und diese Fehler waren so häufig, dass es sich zweifellos um keinen Zufall handelte. Als Wissenschaftler sucht man nach Mustern, und es gab eine Reihe nahe liegender Erklärungen. Eine war, dass es sich um inkompetente Leute handelte, aber dieses Argument überzeugt nicht, nachdem sie so ziemlich die höchsten Gehälter bekommen und daher gute Leute sein müssten. Man könnte sagen, es waren schlechte ökonomische Modelle, aber es gibt zahlreiche, und sie wählten solche, die zu falschen Prognosen, zu einer falschen Politik führten und erheblich negative Auswirkungen hatten. Also warum wählten sie sie? Es bleibt eine mögliche Antwort, nämlich dass sie andere Ziele hatten und dass sie nicht das Ziel verfolgten, etwa die Beschäftigung so hoch wie möglich zu halten oder die Armut möglichst gering, und dann ergibt das natürlich alles einen Sinn. Wenn man sich fragt, wer trifft die Entscheidung und in wessen Namen wird die Entscheidung getroffen, dann kann man sich die Entscheidungsstrukturen ansehen und sieht, dass im IWF die USA das einzige Land mit einem Vetorecht sind“[viii]. Mit diesem Zitat geht es hier nicht darum, hinter allen Handlungen vermeintlich internationaler Institutionen eine Durchsetzung US-amerikanischer Interessen zu vermuten – allerdings sollte man nicht vergessen, dass die vor allem westlichen Industriestaaten als hauptsächliche Anteilseigner des IWF und der Weltbank mit ihrem Geld wohl sicher auch ihre Interessen mit in diese Institutionen einfließen lassen. Wenn sich die Politik der Bretton Woods- Geschwisterinstitutionen mehr zugunsten der Entwicklungsländer verändern soll, steht auch Deutschland in der Pflicht. Neben den USA und Japan gehört es zu den größten Anteilseignern der Weltbank.


[i] Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung, München: Wilhelm Goldmann Verlag, 2004, S.78.

[ii] Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung, München: Wilhelm Goldmann Verlag, 2004, S.78.

[iii] Vgl. Wipfel, Hildegard: Die Rolle der Bretton Woods- Institutionen in der Entwicklungsfinanzierung und Armutsbekämpfung, in: Janata, Martin/ Sigrid Rosenberger: 60 Jahre Bretton Woods. Wege in eine gerechtere Welt, Wien: Renner-Institut/Zukunfts- und Kulturwerkstätte, 2004, S.72.

[iv] Vgl. Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung, München: Wilhelm Goldmann Verlag, 2004, S.111.

[v] Vgl. Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung, München: Wilhelm Goldmann Verlag, 2004, S.82.

[vi] Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung, München: Wilhelm Goldmann Verlag, 2004, S.85.

[vii] Pfisterer, Eva: 60 Jahre IWF und Weltbank, in: Janata, Martin/ Sigrid Rosenberger: 60 Jahre Bretton Woods. Wege in eine gerechtere Welt, Wien: Renner-Institut/Zukunfts- und Kulturwerkstätte, 2004, S.11.

[viii] Joseph Stiglitz im Gespräch mit New Internationalist (Südwind-Magazin Juni 2004, S.34), zit. nach: Wipfel, Hildegard: Die Rolle der Bretton Woods- Institutionen in der Entwicklungsfinanzierung und Armutsbekämpfung, in: Janata, Martin/ Sigrid Rosenberger: 60 Jahre Bretton Woods. Wege in eine gerechtere Welt, Wien: Renner-Institut/Zukunfts- und Kulturwerkstätte, 2004, S.87.

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Die Erfüllung der Auflagen der Weltbank durch die Entwicklungsländer – eine freie Entscheidung oder ein Angriff auf die staatliche Souveränität?

September 11, 2008 · Kommentar schreiben

„Die wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Souveränität ist Teil der allgemeinen Souveränität und umfasst das Recht, die eigene Wirtschaftspolitik selbst zu bestimmen (d.h. keine Festlegung auf ein bestimmtes wirtschaftspolitisches Modell), und das Recht, die eigenen Boden- und Naturschätze ausbeuten zu dürfen“[i].

Es drängt sich nun die Frage auf, ob die Weltbank mit ihren angeordneten Strukturanpassungsprogrammen und ihren dringend empfohlenen Vorschlägen zur Steigerung des Wirtschaftswachstums nicht die wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Souveränität ihrer Partnerländer untermauert. Es lässt sich natürlich anführen, dass die Zusammenarbeit dieser Länder mit der Weltbank insofern freiwillig ist, als dass die wirtschaftlich schwer angeschlagenen Länder ja auch auf die finanzielle Unterstützung durch die Weltbank verzichten könnten. Die Staaten, für die eine Unterstützung durch die Weltbank in Frage kommt, stehen allerdings nicht umsonst auf der Liste der möglichen Hilfsmittel-Empfänger: Sie haben so große wirtschaftliche Probleme und sind zudem meistens noch so hoch verschuldet, dass sie auf Kredite angewiesen sind, um einen Ausweg aus der Falle von Verschuldung und wirtschaftlicher Stagnation zu finden. „Doch die Kredite gibt es nicht umsonst. Will ein Land einen Kredit, muss es ein Bündel von Auflagen, so genannte Konditionalitäten und Strukturanpassungsprogramme, hinnehmen“[ii].

Auch wenn man aufgrund der noch nicht abgeschlossenen wissenschaftlichen Diskussion und aufgrund der in der Staatenwelt vorfindbaren Akzeptanz einer solchen Praxis der Kreditvergabe (184 Länder zählen zu den Mitgliedsstaaten der Weltbank, und trotz oftmals großer Proteste wird die Weltbank immer wieder um ihre Unterstützung ersucht) sicher nicht von einer völkerrechtswidrigen Missachtung der staatlichen Souveränität sprechen kann – um eine Schwächung derselben handelt es sich auf jeden Fall.

Dazu kommen außerdem zwei wichtige Aspekte: Erstens hat die Weltbank in verschiedenen Fällen ihren Anteil an der Kreditabhängigkeit ihrer Partnerländer und sie kennt ihre Macht als Gläubiger. Nachdem die Weltbank in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Gründung teilweise sehr großzügige Kredite vergeben hatte, führten steigende Zinsen und Ölpreiserhöhung auf der einen und Rohstoffpreisverfall auf der anderen Seite dazu, dass die betroffenen Staaten sich nicht mehr in der Lage sahen, die Kredite der Weltbank zurückzuzahlen[iii]. Um die Zahlungsfähigkeit dieser Länder wieder herzustellen, wurden dann in den 80er Jahren die Strukturanpassungsprogramme als Bedingung für die Kreditvergabe eingeführt[iv]. Die Frage, inwiefern die von der Weltbank unterstützen Staaten an Souveränität einbüßen, muss im Lichte dieser Abhängigkeit betrachtet werden. Es ist etwas anderes, einem Land finanzielle Hilfe anzubieten und diese an bestimmte Auflagen zu binden, als in der Rolle eines Gläubigers einem zahlungsunfähigen Land weitere Konditionalitäten aufzubürden. Das Selbstverständnis der Weltbank spielt dabei eine wichtige Rolle. „Die Weltbank betrachtet sich, nicht zuletzt auch auf ihrer Homepage, als Entwicklungseinrichtung und nicht als Bank und dennoch setzt sich bei harten Entscheidungen wie Kreditvergabe oder Stimmrecht immer wieder das Bankdenken durch“[v].

Ein zweiter Punkt ist, dass wissenschaftliche Forschungen längst gezeigt haben, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit die von der Weltbank immer wieder geforderten wirtschaftspolitischen Strategien zum Erfolg führen. Die wenigsten Entwicklungsländer bringen diese Voraussetzungen allerdings mit. Die Tatsache, dass die renommierten Experten der Weltbank dennoch immer wieder auf denselben Forderungen beharren, stellt vielen Beobachtern ein Rätsel dar. Dies ist für die Diskussion über die Wahrung der staatlichen Souveränität zwar zunächst ohne Belang, problematisch wird dieser Punkt allerdings, wenn die betroffenen Länder nicht genug auf die Risiken der von der Weltbank propagierten wirtschaftlichen Maßnahmen hingewiesen werden. Dies ist in der Vergangenheit immer wieder – und teilweise mit fatalen Folgen – geschehen. Wenn den Entwicklungsländern schon keine wirkliche Alternative zur Zusammenarbeit mit der Weltbank bleibt, so sollten sie zumindest die Folgen und Risiken einzuschätzen wissen, um bestimmte Rahmenbedingungen besser mitentscheiden zu können. Einige positive Trends in diese Richtung sind bereits zu bemerken, da die Weltbank selbst in den letzten Jahren mehr Wert auf Transparenz und Information gelegt hat. Dennoch bleibt der eigenverantwortlich handelnde und ausreichend informierte Empfängerstaat von Weltbank-Krediten noch ein Idealbild. Die Freiheit des staatlichen Handelns und die Bereitstellung der dazu nötigen Informationen durch die Weltbank fordert auch der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Joseph Stiglitz: „Die internationalen Wirtschaftsinstitutionen sollten den Ländern die notwendigen Informationen für sachlich fundierte Entscheidungen bereitstellen, einschließlich einer Bewertung der Folgen und Risiken sämtlicher Optionen. Das Wesen der Freiheit ist das Recht, selbständig zu entscheiden – und die Verantwortung zu übernehmen, die mit der Entscheidung einhergeht“[vi].


[i] Krajewski, Markus: Wirtschaftsvölkerrecht, Heidelberg: C.F. Müller- Verlag, 2006, S.261.

[ii] Pfisterer, Eva: 60 Jahre IWF und Weltbank, in: Janata, Martin/ Sigrid Rosenberger: 60 Jahre Bretton Woods. Wege in eine gerechtere Welt, Wien: Renner-Institut/Zukunfts- und Kulturwerkstätte, 2004, S.9 – hier in Anspielung auf den Internationalen Währungsfonds.

[iii] Vgl. Wipfel, Hildegard: Die Rolle der Bretton Woods- Institutionen in der Entwicklungsfinanzierung und Armutsbekämpfung, in: Janata, Martin/ Sigrid Rosenberger: 60 Jahre Bretton Woods. Wege in eine gerechtere Welt, Wien: Renner-Institut/Zukunfts- und Kulturwerkstätte, 2004, S.77.

[iv] Vgl. Wipfel, Die Rolle der Bretton Woods- Institutionen, 2004, S.77.

[v] Wipfel, Die Rolle der Bretton Woods- Institutionen, 2004, S.88.

[vi] Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung, München: Wilhelm Goldmann Verlag, 2004, S.122.

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Wie operiert die Weltbank? Teil II: Die Zusammenarbeit mit individuellen Ländern

August 27, 2008 · Kommentar schreiben

Die Art und die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen der Weltbank und den unterschiedlichen individuellen Ländern hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab.

Es wird versucht, die Zusammenarbeit nach den Bedürfnissen der jeweiligen Bevölkerung auszurichten, was oftmals Probleme mit sich bringt, da die von der Weltbank beobachteten Bedürfnisse oft nicht den gefühlten Bedürfnissen der Partnerländer entsprechen.

Die Kooperation der Weltbank mit jedem einzelnen ihrer Partnerländer durchläuft im Normalfall aber zumindest die folgenden fünf Schritte[i]:

  • Die Einteilung des jeweiligen Landes in eine bestimmte Kategorie hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit
  • Der Entwurf einer Entwicklungsstrategie für das jeweilige Land
  • Die Durchführung dieser Strategie im jeweiligen Land mithilfe der Kredite der Weltbank und ihren Anleitungen zu deren Verwendung
  • Die Beobachtungen der in den jeweiligen Ländern ansässigen Arbeitsgruppen der Weltbank und ihr Fazit
  • Die Bemühungen um die Errichtung einer lang andauernden und intensiven Partnerschaft

Je nach Kreditwürdigkeit und Bedürfnislage werden die Mitgliedsstaaten der Weltbank eingeteilt in[ii]

a) Länder, die nur von der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) Kredite beziehen können – meistens Länder mit mittlerem Einkommen

Beispiele: Mexiko, Brasilien, Thailand

b) Länder, die nur von der Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) Kredite erhalten können – meistens Länder mit geringem Einkommen

Beispiele: Fast alle afrikanischen Länder

c) Länder, die aufgrund von bewaffneten Konflikten, ökonomischem Missmanagement oder bereits ausgesetzten Rückzahlungen an die Weltbank weder von der IBRD noch von der IDA Kredite zugestanden bekommen

Beispiele: Sudan, Myanmar/Burma

d) Spezialfälle, die zwar nach den Kriterien der Weltbank als nicht kreditwürdig gelten, aufgrund ihrer speziellen politischen Situation allerdings aus eigenen Fonds finanziert werden, die die Weltbank verwaltet

Beispiele: Ost-Timor, die besetzten palästinensischen Gebiete, Irak

e) Länder, die als zu reich gelten, um von der Weltbank Kredite erhalten zu können (ab einem ungefähren jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 6.000 $[iii])

Beispiele für Länder, die diese grenze überschritten haben: Irland, Griechenland, Südkorea, Singapur

Nach dieser Einteilung in die verschiedenen Kategorien, die Auswirkungen auf die Intensität der Zusammenarbeit und die Höhe der Kredite hat, wird für das jeweilige Land eine Entwicklungsstrategie – die „Country Assistance Strategy (CAS)“ entworfen.

„The CAS is a central vehicle for planning work in a given country, assessing how the Bank judges that country’s prospects and development strategies, exploring and redefining relationships among development partners, and summarizing the common agenda“.[iv]

Die Country Assistance Strategy wird zwischen der Weltbank und den jeweiligen Regierungsvertretern des Landes bei gleichzeitiger Datenerhebung und Umfragen in der Bevölkerung und oft in internen Gesprächen ausgehandelt. Mittlerweile werden die finalen Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, während die Weltbank diese früher unter strengem Verschluss hielt. In einem 3-5-Jahresrhythmus werden die Dokumente aktualisiert. Auffällig ist, dass sich die Country Assistance Stategies der verschiedenen Länder oftmals in nicht allzu vielen Punkten unterscheiden. Dieser Umstand gibt jener Kritik Auftrieb, die darauf hinweist, dass die Weltbank regionale Unterschiede oftmals nicht genügend berücksichtigt.

Während die Country Assistance Strategy im Prinzip die Entwicklungspläne der Weltbank für ein bestimmtes Land widerspiegelt, haben die Hochverschuldeten Entwicklungsländer (Heavily Indebted Poor Countries – HIPC) die Möglichkeit, zusätzlich eigene Poverty Reduction Strategy Papers (Schriftstücke zur Verringerung der Armut) zu erstellen. Die Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) stellen somit einen von den Ländern selbst entworfenen parallelen Plan zur Armutsbekämpfung neben der CAS dar. Da die Weltbank und der Internationale Währungsfonds ihre Entscheidungen über Schuldenerlässe und verschiedene Finanzierungswege der Länder von den von letzteren erstellten PRSP abhängig macht, überrascht es nicht, dass diese in ihren Inhalten sehr der von der Weltbank initiierten Country Assistance Strategy entsprechen.

Die Fortschritte der Entwicklungszusammenarbeit werden von der Weltbank ständig analysiert, um Fehlentwicklungen schnell genug vorbeugen zu können. Die in diesem Zusammenhang erhobenen Daten (Analytic and Advisory Activities – AAA) werden sowohl den jeweiligen Regierungen als auch der internationalen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Ziel, das die Weltbank mit ihren hier dargelegten Entwicklungsschritten verfolgt, ist es, das weltweite Wissen über Erfolg versprechende Entwicklungsstrategien ständig zu erweitern und mit Hilfe eines konstanten Austausches langfristige und effektive Entwicklungszusammenarbeit zu verwirklichen.


[i] Vgl. Marshall, Katherine: The World Bank. From reconstruction to development to equity (Global Institutions, 2008), Oxon: Routledge, 2008, S.64.

[ii] Vgl. Marshall, The World Bank, 2008, S.65/66.

[iii] Im Jahr 2007 waren die wenigsten Länder, die über dieser Grenze lagen, Kreditnehmer bei der IBRD – es ist aber möglich, dass Länder, selbst wenn sie diese Schwelle überschritten haben, aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder als kreditwürdig eingestuft werden.

[iv] Marshall, The World Bank, 2008, S.66.

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Wie operiert die Weltbank? Teil I: Die von der Weltbank etablierten Finanzstrukturen

Juni 24, 2008 · Kommentar schreiben

Das Gesamtkonzept der Weltbank beruht auf der Idee, dass unterentwickelten Ländern eine finanzielle Starthilfe bereitgestellt werden muss, die es ihnen erlaubt Entwicklungsprogramme durchzuführen ohne sich dabei bereits wieder hoch zu verschulden. Die „Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“ („International Bank for Reconstruction and Development“ – IBRD) und die „Internationale Entwicklungsorganisation“ („International Development Association“ – IDA) vergeben deshalb niedrig verzinste oder zinsfreie Darlehen und Zuschüsse an Länder, die einen beschränkten oder gar keinen Zugang zu den internationalen Kreditmärkten haben. Die Vergabe und die Refinanzierung dieser Darlehen kann somit als Hauptaufgabe der Weltbank betrachtet werden.

Die Weltbank selbst erläutert die Aufbringung und die Verwendung ihrer finanziellen Mittel anhand von fünf Punkten[i]:

1) Fund Generation: Den größten Teil ihres Einkommens erwirtschaftet die IBRD, indem sie wie jede andere Bank auch ihr Kapital auf den internationalen Finanzmärkten verleiht. Das Kapital bezieht sie dabei aus den über die Jahre hinweg gebildeten Rücklagen und den Beitragszahlungen der 185 Mitgliedsstaaten. Außerdem finanziert sich die IBRD durch den Verkauf von AAA(Analytic and Advisory Activities)[ii]-gebundenen Anleihen. Diese individuellen Anleihen sollen sicherstellen, dass die Zahlungen perfekt an die jeweiligen Bedürfnisse des Empfängerlandes angepasst sind, was soviel bedeutet, dass die Weltbank damit bestimmte mit den jeweiligen Ländern ausgehandelte und zur Rückzahlung verpflichtete Programme finanziert und damit die Verwendung ihrer Darlehen kontrolliert. Mit den Einkünften der IBRD werden die Verwaltungskosten der Weltbank insgesamt, die Ausgaben der IDA und bestimmte Schuldenerlässe finanziert. Während sich die IBRD hauptsächlich über ihre Operationen auf den internationalen Finanzmärkten finanziert, ist die IDA auf die Beitragszahlungen der reicheren Mitgliedsstaaten angewiesen. Alle drei Jahre (zuletzt im Dezember 2007) beraten sich die 40 Geberländer über die Verwendung der IDA-Mittel und legen die Höhe der Beiträge fest (Dezember 2007: US$ 25.1 Billionen). Zusätzliche Mittel erhält die IDA aus den Einkünften der IBRD und von der Tochtergesellschaft der Weltbank, der Internationalen Finanzkorporation[iii]. Daneben können wieder eingegangene Rückzahlungen der zinsfreien IDA-Darlehen in neue Darlehen umgewandelt werden. Der Anteil der IDA-Darlehen an der Gesamtheit der Weltbank-Darlehen beläuft sich auf ca. 40%.

2) Loans: Wie aus dem obigen Punkt bereits hervorgeht, wird bei den Darlehen der Weltbank zwischen „investment loans“ (i.d.R. durch die IBRD) und „development policy loans“ (i.d.R. durch die IDA) unterschieden, wobei die Darlehen der Internationalen Entwicklungsorganisation zinsfrei sind und nur eine kleine Bearbeitungsgebühr erhoben wird (in einer Höhe von 0,75% des Darlehens). Noch einmal betont werden sollte dabei die ständige Kontrolle der Finanzmittelverwendung durch die Weltbank: „Each borrower’s project proposal is assessed to ensure that the project is economically, financially, socially and environmentally sound. During loan negotiations, the Bank and borrower agree on the development objectives, outputs, performance indicators and implementation plan, as well as a loan disbursement schedule. While we supervise the implementation of each loan and evaluate its results, the borrower implements the project or program according to the agreed terms”[iv].

3) Grants: Die IDA stellt für einzelne Projekte eine beschränkte Anzahl nicht rückzahlungspflichtiger Zuschüsse bereit, die den Ländern bestimmte Entwicklungsprojekte erleichtern sollen. Die Verwendung dieser IDA-Zuschüsse in den letzten Jahren bezog sich beispielsweise auf[v]:

· Relieve the debt burden of heavily indebted poor countries

· Improve sanitation and water supplies

· Support vaccination and immunization programs to reduce the incidence of communicable diseases like malaria

· Combat the HIV/AIDS pandemic

· Support civil society organizations

· Create initiatives to cut the emission of greenhouse gasses

4) Analytic and Advisory Services: Auch wenn der Großteil der Einkünfte der Weltbank für ihre Finanzierungshilfen bei Entwicklungsprojekten aufgewendet wird, müssen auch die sozusagen intellektuellen Leistungen der Weltbank finanziert werden. Ein kleinerer Teil des Finanzvolumens der Weltbank wird deshalb für ihre breit angelegten wirtschaftlichen Forschungsprojekte und für ihre landesspezifischen Datenerhebungen verwendet.

5) Capacity Building: Einen ähnlichen Kostenpunkt wie die Analytic and Advisory Services stellt das Capacity Building dar: “Another core bank function is to increase the capabilities of our own staff, our partners and the people in developing countries—to help them acquire the knowledge and skills they need to provide technical assistance, improve government performance and delivery of services, promote economic growth and sustain poverty reduction programs”[vi]. Darunter fällt insbesondere die Bereitstellung eines gut zugänglichen und vielseitigen Kommunikationssystems (v.a. Internet), über das sich die Entwicklungspartner und Experten austauschen können.


[ii] Zur Erläuterung: “Analytic and advisory activities (AAA) provide a foundation for defining strategic priorities and informing policy dialogue and decisions on projects and programs. These activities comprise Economic and Sector Work , Non-lending Technical Assistance, Knowledge Management as well as Aid Coordination, Country focussed research, Client Training and Research Services.” (http://go.worldbank.org/KIVZRA0LR0 )

[iii] Erläuterungen zur IFC: „Die 1956 gegründete Internationale Finanzkorporation (IFC) hat die Aufgabe, in Entwicklungsländern das wirtschaftliche Wachstum durch Unterstützung des privaten Sektors zu fördern. Diese Aufgabe erfüllt die IFC durch die Finanzierung von Privatunternehmen in Form von Darlehen und Beteiligungen aber auch durch Beratung. In den letzten Jahren hat die IFC verstärkt Initiativen zur Förderung von Klein- und Mittelbetrieben gesetzt. Im Fiskaljahr 2005 brachte IFC US $4.0 Mrd. an Investitionskrediten und Beteiligungen auf. Es werden nur wirtschaftlich tragfähige Projekte realisiert, die jedoch auch positive Entwicklungswirkungen auslösen. In Einzelfällen beteiligt sich IFC auch mit Kapitaleinlagen an in Entwicklungsländern tätigen Unternehmen. IFC hat ein Portefeuille von etwa US$ 15 Mrd.“ (https://www.bmf.gv.at/IntFinanzinstitutionen/DieinternatFinanzin_8428/Bretton WoodsInstitutionen/Weltbankgruppe/InternationaleFinan_764/_start.htm )

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Das Idealbild der Zusammenarbeit zwischen der Weltbank und einzelnen Ländern

Juni 23, 2008 · Kommentar schreiben

Die Zusammenarbeit zwischen der Weltbank und den einzelnen Ländern ist von einer sehr hohen Komplexität gekennzeichnet, da viele unterschiedliche parallel und aufeinander folgende Prozesse ineinander greifen. Zu beachten sind beispielsweise landesspezifische und sektorale Entwicklungsansätze, unterschiedliche strategische Optionen und die zentralistische bzw. dezentralistische Ausrichtung der Politikmaßnahmen. Um zuerst einen allgemeinen Überblick über die Politik der Weltbank zu geben, soll an dieser Stelle das Idealbild der Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Weltbank und einem beliebigen Land skizziert werden, das in der Realität allerdings aus unterschiedlichen Gründen bisher noch nie so verwirklicht werden konnte.

Die Weltbank selbst beschreibt das Ideal ihrer eigenen Arbeit wie folgt:

„The World Bank’s projects and operations are designed to support low-income and middle-income countries’ poverty reduction strategies. Countries develop strategies around a range of reforms and investments likely to improve people’s lives from universal education to passable roads, from quality health care to improved governance and inclusive economic growth. In parallel, the Bank strives to align its assistance with the country’s priorities and harmonize its aid program with other agencies to boost aid effectiveness”[i].

Aus diesem Zitat können die folgenden Komponenten einer idealen Zusammenarbeit hervorgehoben werden: Die Weltbank schlüpft in die Rolle des helfend zur Seite stehenden „assistant“ und nicht in die eines antreibenden „promoters“. Das bedeutet, dass die einzelnen Länder ihre Entwicklungsstrategien selbst entwickeln und dabei ihre eigenen Prioritäten betonen, wobei die Weltbank diese Prioritäten bei ihren im obigen Zitat angeführten Beispielen bereits vorwegzunehmen scheint: „from universal education to passable roads, from quality health care to improved governance and inclusive economic growth“. Von besonderer Bedeutung für die Weltbank ist außerdem eine enge, harmonische Zusammenarbeit mit allen anderen in Frage kommenden Institutionen, die einen Beitrag für die Entwicklung des Landes leisten können.

Aus den Veröffentlichungen der Weltbank können außerdem weitere Attribute einer idealen Zusammenarbeit abgeleitet werden[ii]: Die Weltbank sieht sich als Teil einer weit gestreuten Partnerschaft für die Entwicklung eines bestimmten Landes, wobei sie hauptsächlich mit dem öffentlichen Sektors des jeweiligen Staates kooperiert, aber auch Kontakte mit dem privaten Sektor und der Zivilgesellschaft aufnimmt. Sie agiert mittels einer vorsichtig ausbalancierten Kombination von intellektuellen, technischen und finanziellen Unterstützungsmaßnahmen und übernimmt sozusagen eine kreative Führungsrolle bei der Identifizierung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme eines Landes und deren Lösungsmöglichkeiten. Eine ständige Evaluation der bereits durchgeführten Maßnahmen soll sicherstellen, dass der Informationsbestand über die Entwicklung eines bestimmten Landes stetig wächst und dass sich Erfahrungswerte bilden. Dabei soll die größtmögliche Unterstützung den Ländern zugute kommen, die sich mit den größten Armutsproblemen konfrontiert sehen und die von sich aus die geringsten Kapazitäten zur Lösung dieser Probleme aufweisen können.

Die einzelnen Schritte einer gelungenen Entwicklungszusammenarbeit könnten wie folgt aussehen[iii]: Nachdem beide Seiten den Wunsch nach Zusammenarbeit geäußert haben, steht die Weltbank dem betroffenen Land vor allem in drei wichtigen Schritten zur Seite. Zuerst berechnet die Weltbank die Höhe der finanziellen Mittel, die für die notwendigen Entwicklungsprogramme des Landes aufgewandt werden müssen, und hilft dabei, dieses Finanzvolumen zu mobilisieren und die Finanzierung zu koordinieren. Des weiteren stellt die Weltbank dem jeweiligen Land ihren ganzen Sachverstand, ihr Expertenwissen und ihre Erfahrungen zur Verfügung und hilft bei der Ausarbeitung von wichtigen Ansatzpunkten und Richtlinien, an denen sich die geplante Entwicklung des Landes orientieren könnte. Dabei geht es vor allem darum, die natürlichen Reichtümer und das landestypische soziale und kulturelle Erbe zu bewahren, aber gleichzeitig Prioritäten im Bereich der Armutsbekämpfung vorzuschlagen und ein günstiges Umfeld für private Investitionen zu schaffen. In einem dritten Schritt kooperiert die Weltbank mit den wichtigen Institutionen des Landes in der Planung und Durchführung der Entwicklungsprogramme, beispielsweise von Gesundheits- und Bildungsprogrammen und Investitionen in die nötigste Infrastruktur. Ein jährlicher Finanzbericht stellt sicher, dass die Regierung des Landes ständig über ausreichende und planbare Finanzierungsmöglichkeiten verfügt. Idealerweise könnte innerhalb von zwanzig Jahren eine Entwicklung vollzogen werden weg von einem instabilen und sehr armen Territorium bis hin zu einer blühenden Nation, die für ihr herausragendes Management von Ressourcen bekannt ist. Dabei sind Investitionen in das Humankapital des Landes und eine größere technische Spezialisierung notwendig. Die Zusammenarbeit zwischen der Weltbank und dem jeweiligen Land wäre dann abgeschlossen, wenn der Staat in der Lage ist, selbst die notwendige Finanzierung für seine weiteren Entwicklungsprogramme aufzubringen.

Als Beispiele für eine mehr oder weniger ideal verlaufene Zusammenarbeit zwischen der Weltbank und bestimmten Staaten könnten die Fälle Irlands, Griechenlands oder der Tschechischen Republik genannt werden. Als Gründe für die doch sehr häufig vorkommenden Abweichungen von diesem Idealpfad werden von der Weltbank in der Regel eine mangelnde Bereitschaft der jeweiligen Länder zu strikten Entwicklungsprogrammen oder Probleme bei der „good governance“ (Korruption, etc.) genannt. Das ist eine sehr einseitige Sichtweise. Oftmals haben die von der Weltbank vorgeschlagenen Entwicklungskonzepte nicht den erwünschten Erfolg nach sich ziehen können, weil landesspezifische Besonderheiten ignoriert, bestimmte Variablen nicht beachtet, oder bestimmte negative Folgeprozesse wirtschaftlicher oder politischer Eingriffe nicht vorhergesehen wurden.


[ii] Eine Übersicht dieser Attribute findet sich bei Marshall, Katherine: The World Bank. From reconstruction to development to equity (Global Institutions, 2008), Oxon: Routledge, 2008, Kapitel 3.

[iii] Katherine Marshall beschreibt die Stufen einer idealen Entwicklungszusammenarbeit am Beispiels eines imaginären Staates „Utopian“: Marshall, The World Bank, 2008, S.60-63.

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Die Sonderrolle der Weltbank im Bereich der internationalen Entwicklung

Juni 17, 2008 · Kommentar schreiben

Unter all den Institutionen, die ihren Beitrag zur internationalen Entwicklung leisten, besitzt die Weltbank einen Sonderstatus. Die Sonderrolle verdankt die Weltbank ihren verschiedenen Eigenschaften und einer Summe verschiedener Umstände. Im amerikanischen Sprachgebrauch wird die herausragende Stellung der Weltbank im Bereich der internationalen Entwicklung insofern zum Ausdruck gebracht, als dass die Weltbank in ihrer Position als „in the catbird’s seat“ beschrieben wird. Das bedeutet, dass sich die Weltbank in einem „privileged place affording a unique vision and broad overview, as well as advantages of acess“[i] befindet.

Zu dieser besonderen Position tragen folgende Faktoren bei:

  • Die Weltbank ist von einer umfassenden Zahl von Staaten als weltweit vorrangig zuständige Institution im Bereich der internationalen Entwicklung gegründet worden. Über einen derartigen Auftrag verfügen weder nationalstaatliche noch länderübergreifende Nichtregierungsorganisationen.
  • Ihre Bestehungszeit von über sechzig Jahren hat es der Weltbank möglich gemacht, zeitlich ausgedehnte und intensive Beziehungen zu den Entwicklungsländern aufzubauen. Einige dieser Kooperationen zwischen der Weltbank und bestimmten Ländern existieren seit mehr als fünfzig Jahren und dauern noch heute fort. Die daraus resultierenden Erfahrungswerte und die geschaffenen Grundlagen für weitere Zusammenarbeit sind für die Weltbank von unschätzbarem Wert.
  • Die Weltbank kooperiert fast ausschließlich mit den höchsten Stellen der jeweiligen Staatshierarchien. Kaum eine andere Entwicklungsorganisation unterhält eine so intensive Kommunikation mit den jeweils zuständigen Regierungsmitgliedern und Ministerien.
  • Im Gegensatz zu vielen anderen Entwicklungsorganisationen operiert die Weltbank, wie es der Name schon sagt, weltweit und ist territorial nicht auf bestimmte Gebiete beschränkt. Das verschafft ihr eine ungewöhnlich weite Perspektive und differenzierte Betrachtungsweisen im Bezug auf den Effekt bestimmter wirtschaftlicher Maßnahmen.
  • Die Weltbank ist auf allen möglichen Sektoren der internationalen Entwicklung aktiv. Ihr Engagement reicht sogar hinein in den Bildungssektor, das Transportwesen, das Gesundheitswesen, die Umwelt und die Geschlechterpolitik, um nur einige Beispiele zu nennen[ii].
  • Zusätzlich zu ihrem weit gestreuten Aufgabenbereich muss die Beteiligung der Weltbank an allen Stufen eines mit einem Land abgesprochenen Entwicklungsplanes berücksichtigt werden. Sie ist nicht nur direkt involviert in die Ausarbeitung der Entwicklungspläne, sondern überwacht davon ausgehend jeden weiteren Schritt und jede weitergehende Maßnahme.
  • In der 60jährigen Geschichte ihres Bestehens ist es der Weltbank gelungen, sich den Ruf einer jenseits nationalstaatlicher Interessen agierenden Institution zu verschaffen. Auch wenn von Kritikern immer wieder angemerkt wird, dass diese angebliche Neutralität doch nur eine scheinbare sein kann, werden Weltbank-Kredite oftmals den Krediten nationaler Geldgeber vorgezogen.
  • Die Mitarbeiter der Weltbank kommen aus unterschiedlichen Ländern und besitzen sehr unterschiedliche akademische Hintergründe. Eine derartige internationale Zusammensetzung der Mitarbeiter verschafft der Weltbank eine weite Bandbreite intellektueller und kultureller Erfahrungswerte.
  • Zu guter Letzt besitzt die Weltbank hinsichtlich ihrer Ressourcen einen eindeutigen Vorteil gegenüber nationalen Entwicklungsorganisationen oder länderübergreifenden Nichtregierungsorganisationen: Jedes Jahr vergibt die Weltbank Darlehen mit einer ungefähren Gesamtsumme von zwischen 20 und 25 Billionen US-$[iii]. “Its approved operating budget for fiscal 2008 was $2.1 billion, and a myriad of other funds administered by the World Bank gave it still further financial leverage“[iv].

Diese herausragende Stellung der Weltbank im Bereich der internationalen Entwicklung hat, selbst für die Weltbank selbst, nicht nur Vorteile. Erstens kann der Zugang zu so vielen verschiedenen Informationsquellen, Erfahrungen und Perspektiven das Erkennen des Wesentlichen eher schwieriger machen als erleichtern. “Because it operates at a global level, or at least with a broad vision, the World Bank often has difficulty both in seeing the individual trees in the forest and in linking its detailed work with the broader vision“[v].

Zweitens wird immer wieder das Verhalten der Weltbank als das eines arrogant auftretenden Akteurs mit übersteigertem Selbstbewusstsein kritisiert. “The World Bank has not been known for its readiness to admit error or seek out opposing views. […] The Bank too often fails to acknowledge both the intrinsic complexity and difficulty of its role and its own missteps and failures”[vi].


[i] Marshall, Katherine: The World Bank. From reconstruction to development to equity (Global Institutions, 2008), Oxon: Routledge, 2008, S.10.

[ii] Mehr dazu: Marshall, The World Bank, 2008, Kapitel 1.

[iii] Vgl. Marshall, The World Bank, 2008, S.4.

[iv] Marshall, The World Bank, 2008, S.4.

[v] Marshall, The World Bank, 2008, S.11.

[vi] Marshall, The World Bank, 2008, S.12.

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Den Wind aus den Segeln nehmen – Eine internationale Institution zur Regelung der „Odious-Debt-Problematik“?

Mai 25, 2008 · Kommentar schreiben

Da das Problem illegitimer Schulden erst dann obsolet wird, wenn schließlich das letzte diktatorische/autoritäre Regime der Vergangenheit angehört und die letzten anrüchigen Kredite getilgt wurden, gibt es von verschiedenen wissenschaftlichen Zweigen die Forderung, eine unabhängige Institution zur Regelung dieser noch recht unkoordinierten Rechtsproblematik ins Leben zu rufen. Maßgeblich fordert dies  zum Beispiel auch Michael Kremer, Professor of Economics an der Harvard University.

Eine derartige Institution soll es sich zur Aufgabe machen, einen Bewertungsmaßstab anzulegen, um zu beurteilen, wann es sich um illegitime Schulden handelt und wann nicht. So entsteht zunächst für Gläubiger Rechtssicherheit. Zudem können sich Staaten nicht ihrer Schuldnerpflicht entziehen, wenn eine Nachfolgeregierung auf dem Standpunkt beharrt, dass es ein illegitimes Regime gewesen wäre, das für den Schuldenberg verantwortlich sei. Dies engt einerseits solche Diktatoren ein, die bewusst Staatsschulden zur Unterdrückung der eigenen Bevölkerung aufnehmen, andererseits wird allgemein die Schuldenlast von armen Ländern begrenzt. Für die Gläubigerstaaten hätte eine solche Institution den Vorteil, das Risiko für Banken zu reduzieren und das Interesse zur Vergabe von Darlehen an solche Staaten zu mindern.

 

Die „großen Fallbeispiele“ in der Diskussion um illegitime Schulden, sei es Argentinien, Irak oder Südafrika, sind – überspitzt gesagt – sogar nur der Gipfel des Eisbergs. Es sind in der Regel die eindeutigsten und die prominentesten Fälle – oftmals aufgrund der politischen Relevanz der Sachverhalte.

Tatsache ist, dass es zweifelsohne einen gewaltigen Bestand anrüchiger Schulden auf der Welt gibt, die die Schuldnerländer dennoch bereitwillig zurückzahlen, obwohl die Doktrin über illegitime Schulden ihnen diese Bürde abnehmen könnte.

Der Hintergedanke bei vielen Staaten ist jedoch, dass eine Zurückzahlung der Schulden einen kleineren Nachteil darstellt, als dass die eigene Reputation bei den Gläubigerstaaten eine Trübung erfährt.

So würde ein junges, legitimes Regime, dem i.d.R. sowieso erst durch finanzielle Mittel auf die Beine geholfen werden muss, gleich zu Beginn eine ganze Reihe von potentiellen Gläubigern verlieren und hätte bei der Beschaffung von Krediten erhebliche Probleme.

Dieses Problem könnte durch eine „Brandmarkung“ illegitimer Regime ebenso kompensiert werden. Andererseits könnte durch eine international anerkannte Klassifizierung einer unabhängigen Institution sogar innerhalb der Gläubigerstaaten der Druck bzw. der Bedarf entstehen, dass innerstaatliche Gesetze, angelegt an der internationalen Norm, bereits die Darlehensvergabe an andere Staaten regeln. Darüber hinaus entsteht eine Transparenz, die es den Gläubigern durch die Offenkundigkeit ermöglicht, Nachfolgeregierungen die Schulden zu erlassen.

Auch die Vorstellung der Einbindung von IWF und Weltbank ist in der Vorstellung der Errichtung einer so beschaffenen Institution möglich. Über diese sollen dann finanzielle Anreize geschaffen werden, damit Nachfolgeregierungen keinen Anlass mehr haben, illegitime Schulden dennoch zurückzuzahlen.

Literatur: Jayachandran, Seema/ Kremer Michael: Odius Debt, in: Jochnick, Chris / Preston, Fraser A.: Souvereign Debt at the Crossroads. Challenges and Proposals fpr Resolving the Third World Debt Crisis, New York, 2006.

 

 

 

  

 

 

 

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Die Weltbank als Institution

Mai 10, 2008 · 1 Kommentar

Die Institution der „Weltbank“ muss begrifflich abgegrenzt werden von der aus fünf Organisationen bestehenden „Weltbankgruppe“. Nur zwei dieser fünf Organisationen bilden zusammen die Institution der Weltbank, nämlich die „Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“ („International Bank for Reconstruction and Development“ – IBRD) und die „Internationale Entwicklungsorganisation“ („International Development Association“ – IDA). Diese beiden Organisationen befinden sich im Eigentum von 185 Mitgliedsstaaten. Nicht zur Weltbank, aber zur Weltbankgruppe gehören außerdem die „Internationale Finanzkorporation“ („International Finance Corporation“ – IFC), die „Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur“ („Multilateral Investment Guarantee Agency“ – MIGA) und das „Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten“ („International Centre for Settlement of Investment Disputes“ – ICSID).

Aufgrund ihres Status als internationale Institution kann die Weltbank definiert werden als „Satz von Gewohnheiten und Praktiken, die auf die Verwirklichung gemeinsamer Ziele ausgerichtet sind“[1]. Die Weltbank wird also hauptsächlich über ihren Aufgabenbereich definiert, was die vielfach existierenden Erläuterungen zur Institution der Weltbank bezeugen. Für eine weitere Betrachtung der Weltbank und ihrer Politik ist diese Tatsache nicht unerheblich, da ihre Existenzberechtigung aus mancher Perspektive mit dem Erfolg ihrer Aufgabenwahrnehmung zusammenfällt.

Die Weltbank selbst sieht ihre Hauptaufgabe in der Reduzierung der weltweiten Armut:

“At the World Bank we have made the world’s challenge—to reduce global poverty—our challenge”[2]. Zum vorrangigen Ziel der Weltbank wurde die Armutsbekämpfung aber erst im Laufe der 60er Jahre. Als die Weltbank 1944 zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen in Bretton Woods gegründet wurde, galt ihre hauptsächliche Aufmerksamkeit noch dem Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Aspekt des Wiederaufbaus ist zwar „nach wie vor ein wichtiger Schwerpunkt der Tätigkeit der Weltbank – auch vor dem Hintergrund der Naturkatastrophen, humanitären Notsituationen sowie kriegs- und konfliktbedingten Zerstörungen“[3], heute steht der Abbau der Armut jedoch im Vordergrund.

Aufgrund der Verpflichtung auf dieses Ziel steht die Weltbank heute weniger in der Kritik der Öffentlichkeit als beispielsweise die Welthandelsorganisation oder der Internationale Währungsfonds. Dennoch werden ihr immer wieder fehlerhafte Politik und mangelnde Bereitschaft zu wirklicher Armutsbekämpfung vorgeworfen. Im Brennpunkt der Kritik stehen vor allem immer wieder die Auflagen, die die Empfängerländer von Weltbank-Hilfsmitteln zu erfüllen haben, da diese vielfach als Angriff auf die staatliche Souveränität dieser Länder interpretiert werden und auch oftmals an Erfolg zu wünschen übrig lassen.


[1] Die Institutionendefinition von Hedley Bull, übersetzt von Gert Krell (Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen, (3. erweiterte Auflage) Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 2004, S.241).

[2] Website der Weltbank: http://web.worldbank.org challenge

[3] Kurzübersicht der Weltbank über ihre Geschichte: http://siteresources.worldbank.org/EXTABOUTUS/Resources/History_GE.pdf

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