Bereits hier im Blog und auch im Seminar kam Basel II immer wieder zur Sprache. Oftmals wird dabei behauptet, BASEL II könne helfen, zukünftig derartige Finanzcrashs wie wir sie jüngst in Amerika erlebten zu verhindern. (vgl. zu den Crashs auch meinen Beitrag zu Fannie Mae und Freddie Mac.)
Ausgehend von der Kurzzusammenfassung zu BASEL II, die ein Kommilitone kürzlich schrieb, will ich nun kritisch hinterfragen, ob BASEL II die darin gesteckten Erwartungen erfüllen kann. Um das Ergebnis meiner Betrachtung vorwegzunehmen: BASEL II wird uns in Zukunft nicht vor Bankencrashs bewahren können.
1. Säule:
Die erste Säule von BASEL II beschäftigt sich mit dem risikogerechten Pricing für Kredite. Riskadjusted pricing wie es auch oft genannt wird. Prinzipiell ist es richtig, bei der Vergabe von Krediten mehr auf den finanziellen Background des Gläubigers zu achten, denn schließlich sind Zinszahlungen nichts anderes als Risikoprämien. Gleichzeitig muss man jedoch auch bedenken, was mit dem geliehenen Geld weiter geschieht – in der Regel wird es nämlich wieder angelegt in der Hoffnung die Rendite dafür möge die Kreditkosten übersteigen und so zu Gewinn führen.
Meines Erachtens wird ein risikoangepasstes Pricing, das auf die EK-Quoten von Banken Bezug nimmt, den Interbankenhandel mit Swap-Produkten befeuern. Jene Banken mit hoher Bonität werden an Banken mit geringer Bonität Geld ausleihen und Zinssätzen werden getauscht werden (Swap). Ein von Basel II insbesondere scheinbar unbeachtetes Problem ist das der CrossCurrencySwaps. Bereits jeztt erleben wir z.T. starke Zinssschwankungen zwischen den jeweiligen Erdregionen. Nach dem Swaps als sog. OTC-Geschäfte auch häufig mit dem Ziel der Rohstoffpreissicherung gehandelt werden und wir derzeit einen heiß gelaufenen Rohstoffhandel erleben, der durch die asiatische Nachfrage weiter befeuert wird, wird das Swap-Geschäft zunehmen.
Säule 2:
Als Säule 2 wurde eine verbesserte Transparenzpflicht thematisiert, die von den nationalen Überwachungsinstanzen wahrgenommen werden soll. Schön und gut, doch die Offshore-Finanzplätze wird diese Maßnahme wenig beeindrucken. Gerade offshore werden heute riesige Geldmengen transferiert ohne regulierende Mitwirkung eines Staates.
Säule 3:
Sie befasst sich mit erweiterten Offenlegungs und Publizitätsvorgaben. Prinzipiell ein richtiger Schritt; Fachleute können so unter Umständen früher Gefahren erkennen und dagegen vorgehen, doch was helfen die Regeln einem Otto-Normalverbraucher, der nur sein Erspartes sicher anlegen möchte, fürs Alter vorsorgen möchte oder mithilfe eines Kredites ein Eigenheim bauen möchte? – nichts! Die Verflechtung der Banken untereinander ist heute so stark, dass sie kaum mehr durchschaubar ist. Gerade diese Verflechtung führt auch dazu, dass aktuell noch immer nicht abgeschätzt werden kann, welche Ausmaße die US-Krise noch annehmen wird und inwieweit der deutsche und europäische Markt davon betroffen ist.
Fazit:
Basel II ist ein gut gemeinter Schritt und sicherlich ein ernstgemeintes Mittel um Abhilfe zu schaffen. Basel II ist jedoch eine Vorgabe der Europäischen Union, d.h. schon rein geographisch-räumlich sind weite Teile der (Finanz-)welt davon nicht betroffen. Die europäischen Banken halten sich bei Geschäften nicht an die vergleichsweise engen geographsichen Grenzen Europas. Basel II wird daher in Europa mehr Transparenz schaffen, wird jedoch nicht verhindern, dass auch künftig europäische Banken bis hin zu kleinen regionalen Mittelstandsbanken in den Sog internationaler Finanzmarktturbulenzen gezogen werden.