Als vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass die Deutsche Post AG sich bis 2011 von ihrem bundesdeutschen Filialnetz komplett trennen würde, ging ein Aufschrei durch Politik und Medien [1]. Die Auflösung des Filialnetzes führt zu enormen Kosteneinsparungen für die Deutsche Post selbst, aber zu enormen Nachteilen für die Kunden. Kritiker befürchten folgende Punkte:
- weite Anfahrtswege bei Paketabholungen
- unzuverlässige Partner der Deutschen Post lassen die nötige Acht beim Umgang mit sensibeler Post vermissen, da sie nicht fürchten müssen, entlassen zu werden und die Post auch oft vor einem Partnerwechsel zurückschreckt, da neue Partner in einem Zustellbereich besonders im ländlichen Raum – oft nur schwer zu finden sind
- eine bereits eingetretene massive Reduzierung der Briefkästen
- Arbeits- und Zeitabwälzung auf die Kunden selbst, da sie künftig weite Anfahrtswege zu Postpackstationen antreten müssen –> die Post plant aktuelle einen Ausbau ihrer automatischen Packstationen von 900 auf 2500 im Jahr 2011
Die Deutsche Post verweist darauf, dass trotz der Filialschließungen keine Mitarbeiter entlassen werden [2] und man gemäß einer selbst auferlegten Corporate Governance Politik [3] eine übermäßige Fixierung auf reine Gewinnmaximierung intern dem Wohl des Kunden hintan stellt.
Der deutschen Post wird wiederum vorgeworfen, davon auszugehen, dass all ihre Kunden jung, gesund, mobil, flexibel und technikversiert seien – Behinderte, Alte und aus anderen Gründen weniger mobile Menschen würden nun mit erheblichen Problemen konfrontiert, wenn sie Postdienstleistungen in Anspruch nehmen wollen. Eine Entpersonalisierung der nächsten Stufe ist ebenfalls in Planung. In den Städten Bonn und Berlin plant die Post im Rahmen eines Pilotversuches 50 so genannte automatische 7/24 Postinseln aufzustellen. In denen der Kunde an 7 Tagen die Woche rund um die Uhr die Möglichkeit haben soll, nahezu alle Postdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Postinseln werden nicht von Personen bedient, sondern sind mit Briefmarkenautomaten, Packstationen, Briefkästen, Geldautomaten und Kontoauszugdruckern ausgestattet.
Diese Maßnahmen finden besonders gesellschaftlichen Gegenwind, da sich die Deutsche Post als Weltmarktführer im Bereich Logistikdienstleistung mit einem Jahresgewinn von 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2007 alles andere als in Rationalisierungszwang steht.
Politiker aller Parteien geißeln die Sparwut der Deutschen Post, dennoch hat die Politik im Jahr 2005 jedes Mitspracherecht aus der Hand gegeben, als die letzten staatlichen Anteile der Deutschen Post AG verkauft wurden.
Seit der Privatisierung der Post sind zwei Dinge eindeutig festzustellen:
1) Ein Mehr an Zeit und Arbeit wurde auf den Kunden abgewälzt
2) Die Preise für Postdienstleistungen sind dennoch gestiegen
Was denkt Ihr, war es ein Fehler des Staates, das Postwesen aus der Hand zu geben?
Quellen:
Smit, Hilke: Die Anwendung der GATS-Prinzipien auf dem Postsektor und Auswirkungen auf die nationale Regulierung, WIK Verlag, Bad Honnef, 2000
http://www.postprivatisierung.de
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/909/56853
http://www.bahnvonunten.de/post-protest.htm
http://www.stoppgats.at/
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,559714,00.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,220300,00.html
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