Gründe für und gegen Schuldenrückzahlung Südafrikas
Für:
Staaten beharren meist fast eifersüchtig auf ihre Souveränität. So auch das Südafrika der Apartheid wie auch das heutige Südafrika. Dazu gehört auch, dass sich andere Länder nicht in die inneren Angelegenheiten wie staatliche Verfassung und Aufbau einmischen.
Folglich könnte man argumentieren, die Apartheid sei innere Angelegenheit Südafrikas gewesen und damit auch die Schulden Teil des souveränen Handels. Die Schulden müssten also auch bei einer Änderung im Inneren (Ende des rassistischen Apartheidregimes) zurückgezahlt werden.
Man könnte – zugegeben etwas „unfreundliche“ Argumentation – sagen, dass sich die Unterdrückten rechtzeitig hätten auflehnen und das Regime stürzen können. Da dies aber unterlassen wurde, könnte zwar bei einer grundsätzlichen Ablehnung doch auch gewisse Akzeptanz in der Bevölkerung geherrscht haben.
Außerdem ergäbe sich das Problem, dass bei einem Sturz der herrschenden Macht die nun herrschenden Rebellen behaupten können, aufgrund des erfolgreichen Umsturzes sei die vorherige Regierung nicht legitim und damit auch deren Schulden im Ausland nicht legitim gewesen.
Eine zuverlässige Schuldenrückzahlung ist dann nicht mehr gewährleistet.
Als letztes Argument, das jedoch auch ein wenig unfair ist, ließe sich sagen, dass die Schulden der Apartheid nur einen kleinen Teil der heutigen Schulden (etwa 26 von rund 275 Milliarden US-$) ausmachen und deshalb zu akzeptieren seien, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Land ja auch etwas dafür bekommen hat (beispielsweise Infrastruktur).
Dagegen:
Die Gründe gegen eine Schuldenrückzahlung Südafrikas wiegen meiner Ansicht nach jedoch viel schwerer:
zum einen behindert die Belastung mit Zinsen und Schuldenrückzahlung den Haushalt und damit eine positive Entwicklung Südafrikas. Das kann aber eigentlich nicht im Interesse der Länder sein, da ein sicheres Südafrika für die Entwicklung des ganzen Kontinents wichtig ist.
Zum anderen ist es nicht rechtfertigbar, wenn die Unterdrückten nach einer geglückten Befreiung für ihre vorherige Repression auch noch zahlen müssten. Hier ist noch stark auf die Verantwortung der westlichen Länder hinzuweisen, die durch Kredite und andere Unterstützung das Apartheid-Regime gestützt hatten. Das käme einer doppelten Unterdrückung gleich.
Auch sagt die Definition der illegitimen Schulden, dass Unterdrückung von Unschuldigen eine Schuldenrückzahlung ausschließt.
Alles in allem ist meiner Meinung nach wäre die Verweigerung der Schuldenrückzahlung Südafrikas gerechtfertigt, da die moralische Schuld zu groß ist und dem Land so ein Neuanfang ermöglicht werden kann.
2 Antworten bis hierher ↓
robertrfh // Juni 14, 2008 um 4:38 |
Wie Du sehr richtig gesagt hast, hängt am Schicksal Südafrikas nicht unwesentlich das Schicksal des afrikanischen Kontinents. Besonders die Problematik die der AIDS-Virus im sub-Sahara Afrika verursacht, destabilisiert die südafrikanische Gesellschaft von innen. Ein stures Bestehen auf einer völligen Schuldenrückzahlung könnte diese Schieflage verschärfen mit ungeahnten Folgen.
carl0s556 // Juni 24, 2008 um 11:59 |
Betrachtet man die Ursachen, aus denen sich das ‘Apartheidsregime’ in Südafrika so stärken und auch für eine so lange Zeit halten konnte, wirkt es geradezu grotesk, dass die USA ganz weit vorne in der Gläubiger Liste stehen UND auf ihre Schuldenrückzahlung beharren. Denn schließlich unterstützten die Vereinigten Staaten das Apartheidsregime, ähnlich wie auch den Iran, als Bollwerk gegen den Kommunismus. Im Gegenzug lieferte Südafrika das für die Aufrüstung notwendige Uran an die USA und war sowjetischen Schmeicheleien unempfänglich. Schließlich scheiterten mehrere Versuche zur Intervention bzw. zu Resolutionen der UN an dem amerikanischen Veto. Erst in den 80er Jahren hielt auch die USA dem internationalen Druck nicht mehr Stand (zugegeben, andere Faktoren, wie die Annäherung UdSSR und USA spielen hier auch eine Rolle) und die USA mussten das Regime auch delegitimieren.
Ausgerechnet die Vereinigten Staaten von Amerika, die selbst sozusagen die ERSTEN waren, wenn es um die Delegitimierung von Schulden ging, bestehen weiterhin auf ihre Ansprüche…