In ihrem gemeinsamen Agrarausblick 2008 prognostizierten die OECD und die vereinten Nationen, dass mit einem dauerhaft hohen Preisniveau auf dem Nahrungsmittelmarkt zu rechnen sei. Die aktuelle Nahrungskrise, die besonders für Entwicklungs- und Schwellenländer schmerzhaft ist, da sie Grundnahrungsmittel wie Reis, Zucker und Öl betrifft, ist laut dem Bericht auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Genannt werden neue Essgewohnheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern, sowie die steigenden Energiepreise.
Zu einem der grundlegenden Faktoren für den Preisanstieg wurde die verstärkte Förderung von Biokraftstoffen erklärt.
Im Folgenden möchte ich einen Überblick über die Problematik bei der Verwendung pflanzlicher Energieträger zur Treibstoffgewinnung am Beispiel der Palmölproduktion in Indonesien geben.
Im globalen Umweltschutz und dem Streben nach effizienter Klimasicherung, wird in den erneuerbaren Energien und besonders den Biokraftstoffen großes Potential gesehen. Als mittel- und langfristige Lösung für die Dieselproduktion gilt dabei Palmöl, das billiger und effizienter als Rapsöl ist, allerdings nur in tropischen Regionen angebaut werden kann. Indonesien und Malaysia decken bereits heute 85 % des weltweiten Bedarfs an Palmöl und Indonesien plant den Bau der größten Biokraftstoffanlage der Welt.
In der Palmölindustrie konkurriert in Indonesien der Privat-Sektor mit staatlichen Unternehmen. Im Januar 2008 unterzeichnete die Regierung ein Vertragswerk mit 59 internationalen Investoren, dass die Grundlage für die geplante Ausweitung der Produktion bildet. Dabei wird ein Finanzvolumen von 12,4 Milliarden USD zur Finanzierung von Palmölprojekten zur Verfügung stehen.
Die Pläne werden besonders von Seiten der Regierung vorbehaltlos befürwortet, während Widerstandsgruppen im Land, darunter Greenpeace, WWF (World Wide Fund for Nature) und die größte indonesische Umweltschutzorganisation WAHLI heftige Kritik in Bezug auf Umwelt- und Menschenrechtsschutz äußern.
Folgende Punkte werden in Bezug auf die positive Entwicklung der Steigerung der Palmölproduktion in Indonesien herausgehoben:
- Auf Grund der hohen Nachfrage, hat die indonesische Regierung gute Aussichten für die Palm- und Biodieselindustrie, die sich positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken wird.
- Indonesien leidet selbst unter einem Energie- und Kraftstoffproblem und sieht Palmöl als effiziente Erdölalternative.
- Der hohen Arbeitslosenrate soll mit der Schaffung von 3,5 Millionen Arbeitsplätzen entgegen gewirkt werden.
- Mit einer steigenden Nachfrage der Industrienationen ist zu rechnen und bereits jetzt gehen ¾ der Palmölproduktion in den Export.
- Umweltaspekte wie Emissions- und Müllreduktion und Verbesserung der Luftqualität werden genannt.
- Die indonesische Regierung betont, dabei nur unproduktives und brachliegendes Land zu bebauen und die Plantagenbesitzer lediglich zu ermutigen, auf den Anbau von Palmöl umzusteigen.
Kritiker sehen in dem Vorgehen der Regierung folgende Probleme menschenrechtlicher und umweltpolitischer Natur:
- Es wird kritisiert, dass das eigentliche Ziel der Verminderung von Kohlenstoffdioxidemissionen verfehlt wird.
- Die Anbaufläche könne sich nicht auf brachliegendes Land beschränken, wenn tatsächlich die planmäßige Menge an Palmöl produziert werden sollte.
- Dies würde zur Zerstörung des Regenwalds durch Brandrodung führen, da schon jetzt schätzungsweise 80% der Waldbrände vorsätzlich gelegt werden.
- Torfbrände wiederum verursachen enorm hohe CO2-Emissionen und führen dazu, dass Rauchwolken oft wochenlang den Himmel verdunkeln und die Gesundheit der Bevölkerung schädigen.
- Die Zerstörung des Regenwalds ist ein Grund für die Gefahr der Ausrottung des Orang-Utans.
- Ölpalmen gelten darüber hinaus als billige Variante für die Wiederaufforstung und werden dabei staatlich unterstützt.
- Entlang der Grenze zu Malaysia ist die Malindo-Megaplantage mit 1,8 Mio. Hektar geplant, ein Projekt gegen das sich die Bevölkerung und vor allem die Bauern wehren.
- In diesem Fall beklagen Menschenrechtler, die Vertreibung und Enteignung von Bauern, ein Schicksal von dem 4-6 Mio. Menschen betroffen sein sollen.
- WAHLI meldet Landenteignungen mittels psychischem und physischem Drucks.
- Weiterhin wird kritisiert, dies führe zu einer weiteren Preissteigerung der Grundnahrungsmittel, da z. B. Reisfelder vernichtet und Palmöl nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion verwendet wird.
Die meisten Informationen meines Beitrags stammen aus einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung, die einen Kurzbericht zum Thema veröffentlicht hat unter:
http://library.fes.de/pdf-files/iez/05030.pdf