International Economic Law

Die Weltbank als Institution

Mai 10, 2008 · 1 Kommentar

Die Institution der „Weltbank“ muss begrifflich abgegrenzt werden von der aus fünf Organisationen bestehenden „Weltbankgruppe“. Nur zwei dieser fünf Organisationen bilden zusammen die Institution der Weltbank, nämlich die „Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“ („International Bank for Reconstruction and Development“ – IBRD) und die „Internationale Entwicklungsorganisation“ („International Development Association“ – IDA). Diese beiden Organisationen befinden sich im Eigentum von 185 Mitgliedsstaaten. Nicht zur Weltbank, aber zur Weltbankgruppe gehören außerdem die „Internationale Finanzkorporation“ („International Finance Corporation“ – IFC), die „Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur“ („Multilateral Investment Guarantee Agency“ – MIGA) und das „Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten“ („International Centre for Settlement of Investment Disputes“ – ICSID).

Aufgrund ihres Status als internationale Institution kann die Weltbank definiert werden als „Satz von Gewohnheiten und Praktiken, die auf die Verwirklichung gemeinsamer Ziele ausgerichtet sind“[1]. Die Weltbank wird also hauptsächlich über ihren Aufgabenbereich definiert, was die vielfach existierenden Erläuterungen zur Institution der Weltbank bezeugen. Für eine weitere Betrachtung der Weltbank und ihrer Politik ist diese Tatsache nicht unerheblich, da ihre Existenzberechtigung aus mancher Perspektive mit dem Erfolg ihrer Aufgabenwahrnehmung zusammenfällt.

Die Weltbank selbst sieht ihre Hauptaufgabe in der Reduzierung der weltweiten Armut:

“At the World Bank we have made the world’s challenge—to reduce global poverty—our challenge”[2]. Zum vorrangigen Ziel der Weltbank wurde die Armutsbekämpfung aber erst im Laufe der 60er Jahre. Als die Weltbank 1944 zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen in Bretton Woods gegründet wurde, galt ihre hauptsächliche Aufmerksamkeit noch dem Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Aspekt des Wiederaufbaus ist zwar „nach wie vor ein wichtiger Schwerpunkt der Tätigkeit der Weltbank – auch vor dem Hintergrund der Naturkatastrophen, humanitären Notsituationen sowie kriegs- und konfliktbedingten Zerstörungen“[3], heute steht der Abbau der Armut jedoch im Vordergrund.

Aufgrund der Verpflichtung auf dieses Ziel steht die Weltbank heute weniger in der Kritik der Öffentlichkeit als beispielsweise die Welthandelsorganisation oder der Internationale Währungsfonds. Dennoch werden ihr immer wieder fehlerhafte Politik und mangelnde Bereitschaft zu wirklicher Armutsbekämpfung vorgeworfen. Im Brennpunkt der Kritik stehen vor allem immer wieder die Auflagen, die die Empfängerländer von Weltbank-Hilfsmitteln zu erfüllen haben, da diese vielfach als Angriff auf die staatliche Souveränität dieser Länder interpretiert werden und auch oftmals an Erfolg zu wünschen übrig lassen.


[1] Die Institutionendefinition von Hedley Bull, übersetzt von Gert Krell (Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen, (3. erweiterte Auflage) Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 2004, S.241).

[2] Website der Weltbank: http://web.worldbank.org challenge

[3] Kurzübersicht der Weltbank über ihre Geschichte: http://siteresources.worldbank.org/EXTABOUTUS/Resources/History_GE.pdf

Kategorien: World Bank
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