Gliederung:
Darstellung Wasserprobleme
Helsinki-Regeln zur Regelung der Wasserentnahme
Wasser im Nahostkonflikt
In den Diskussionen über Nahrungsmittelkrise und Ölpreiserhöhungen ging ein anderes Thema völlig unter, was aber jahrelang viele rechtliche und politische Diskussionen bestimmt hatte: die zunehmende Knappheit an Wasser in vielen Gegenden der Welt und deren juristische Regelung.
Einige Beispiele zeigen, dass inzwischen nicht mehr die traditionellen Gebiete an Wassermangel leiden, sondern auch in der 1. Welt Probleme mit der Wasserversorgung auftreten.
So musste Barcelona erstmals in seiner Stadtgeschichte mit Wasser aus Tankschiffen versorgt werden, der Lake Mead, der größte Stausse der Welt, der weite Teile des Südwestens der USA mit Trinkwasser versorgt, droht nach einer Studie der Universität von Kalifornien in den nächsten 13 Jahren auszutrocknen.
Weltweit müssen rund 1,4 Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser auskommen, davon allein 910 Millionen in Afrika.
Jeden Tag sterben nach Angaben der Welthungerhilfe weltweit 5000 Kinder durch Krankheiten, die aus verschmutzten Wasser herrühren (z..B. Durchfallerkrankungen).
In China sind rund 90 Prozent der Flüsse, díe Städte durchfließen, zu dreckig sind, um daraus Trinkwasser zu gewinnen.
Durch den Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Verschwendung (vor allem in den westlichen Ländern) und wachsende Industrialisierung ehemaliger Drittweltländer werden sich die Wasserprobleme noch verschärfen.
Aufgrund dieser Entwicklungen werden sich auch die rechtlichen Schwierigkeiten zuspitzen.
Es gibt jedoch einige Beispiele, die zeigen, wie auch im Grunde verfeindete Länder bei so fundamentalen Problemen zusammenarbeiten.
Die Helsinki-Rules
Allgemeines:
Gemeinsame Wasservorkommen sollen fair nach geographischen, hydrologischen, klimatischen Kriterien aufgeteilt werden. Zu beachten sind auch das Nutzungsverhalten, die sozialen, ökonomischen und andere Bedürfnisse.
Die Gewichtung ist aber aushandelbar.
Wichtig ist, dass wenn ein Staat viel Territorium über Wasservorkommen hat und ein anderer wenig, dieser aber viel Wasser benötigt, dieser das Recht auf mehr Wasser hat.
Verschmutzung soll natürlich vermieden werden.
Methoden zur Streitbeilegung:
Als erstes Mittel sollen Verhandlungen zwischen den beteiligten Staaten, eventuell mit Mediation durch dritte Staaten, internationale Organisationen oder dritte Personen eine Streitbeilegung herbeiführen.
Für die Verteilung von Wasser (auch bei zukünftigen Verteilungen) können/sollen Gemeinsame Kommissionen wie zum Beispiel in Israel/Palästina gebildet werden, die über die Zuteilung entscheiden.
Bei Streitigkeiten, die nicht durch Verhandlungen beilegt werden können (z.B. ein Staat hat der Entscheidung nicht zugestimmt), kann ein Schiedsgericht angerufen werden oder der Internationale Gerichtshof angerufen werden.
Die Prinzipien der Vereinten Nationen wie Gewaltverbot und ähnliches gelten auch hier.
Konflikte um Wasser
In den letzten 50 Jahren gab es rund 37 gewalttätige Auseinandersetzungen und mehr als 500 nicht-gewalttätige Konflikte um Wasser und Wasser-Zugänge.
Zum Beispiel drohte 1980 ein Krieg zwischen Ägypten und Äthiopien, weil Ägypten den Nil in den Sinai umleiten wollte, um die Wüste zu bewässern.
Fünf Jahre vorher wäre es fast zum Krieg zwischen dem Irak und Syrien gekommen, nachdem Syrien den Taqba-Staudamm baute und dem Irak damit Wasser entzog.
Bereits 1947 kam es zu einem Krieg zwischen zwei Stämmen in Indien um das Wasser des Kaveri-Flusses.
Ein dauernder Konfliktherd ist das Gebiet rund um Jordan, Totes Meer und den See Genezareth.
Aber: diesen Konflikten und Kriegen stehen rund 200 Verträge und mehr als 1200 lokale Kooperationen gegenüber, die auch Kriegszeiten überdauern.
Die oft befürchteten Wasserkriege scheinen folglich wohl auszubleiben, ja es lässt sich sogar sagen, dass Mangelerscheinungen Kooperationen zwischen Staaten fördern. Beispielsweise gibt es zahlreiche Verträge zwischen Indien und Pakistan über die Nutzung von Wasser und Flüssen, obwohl zwischen beiden Staaten oft Kriege oder Konflikte entwickelten. Die Verträge überdauerten auch diese Zeiten.
Meist sind die Kriege, die vorgeblich um Ressourcen wie Wasser geführt werden, daher aus anderen Gründen entstanden. Die Wassersorgen waren nur Auslöser, nicht Ursache der Kriege.
Nichtsdestotrotz gab es tatsächlich Kriege oder Konflikte um Wasser.
Wasserentnahme durch Israel
Israel benötigt jährlich rund 2 Mrd. Kubikmeter Wasser, davon werden 200 Mio. Km durch Brackwasser-Aufbereitung (vor allem im Süden bei Eilat) gedeckt, weitere 100 Mio. Km werden aus Grundwasser auf isr. Staatsgebiet abgepumpt.
Die restlichen 1, 7 Mrd. Km werden wie folgt erzeugt:
600 Mio. Km aus dem Gebiet des See Genezareth (isr. Staatsgebiet)
90 Mio. Km aus Flutwasser, d.h. entsalztes Meerwasser
60 Mio. Km aus z.B. Wasserankauf aus der Türkei (Vertrag seit 2003)
950 Mio. aus unterirdischen Wasserlinien (Aquifer)
Davon Küstenaquifer (isr. Staatsgebiet) 590 Mio. Km. und Gebirgsaquifer (größtenteils paläs. Gebiete) 360 Mio. Km
Hier liegt das Problem, da das Wasser auch durch große Teile des paläs. Gebietes fließt, aber das Wasser der Gebirgsaquifere seit 1950 zu 90% von Israel verbraucht wird.
Die vertragliche Situation im Nahen Osten
Der Wasserverbrauch von Israel und den palästinensischen Gebieten von einer Gemeinsamen Kommission verwaltet, wie sie die Helsinki-Regeln vorgesehen ist. Die Gemeinsame Kommission funktioniert trotz der vielen Konflikte erstaunlicher gut. Selbst in den blutigsten Zeiten der letzten „Intifada“, des Aufstandes der Palästinenser, veröffentlichten die israelischen und palästinensischen Mitglieder eine Mitteilung, in der sie die gute Zusammenarbeit bekräftigten.
Die vertragliche Situation wird durch verschiedene Verträge geregelt. Zum Beispiel wird die Verteilung des Wassers im Osloer Vertrag zwischen den Israelis und Palästinensern geregelt.
Auch zwischen Jordanien und Israel gibt es einen Vertrag, der die Verteilung des Jordan-Wassers und des Grundwassers der Region regelt.
Strittig ist jedoch weiterhin Golan-Region
Die Golan-Höhen sind von enormer strategischer Bedeutung für Israel und Syrien, dessen Staatsgebiet die Golan eigentlich sind, aber schon seit dem Sechstage-Krieg besetzt sind. Zwar fällt heute die militärstrategische Bedeutung weg, da Israel nicht mehr durch Syrien ernsthaft bedroht werden kann (außer mit nicht-konventionellen Waffen), aber die Bedeutung als Wasserreservoir ist umso größer.
Aus dem Golan entspringen die Flüße Banias und Hazbani, die den See Genezareth, den Jordan und das Tote Meer mit Wasser versorgen. Lediglich der Dan entspringt in Israel.
Der Süden des Libanon hängt ebenfalls von den Zuflüssen aus dem Golan ab, da der Fluss Litani sein Wasser zu einem großen Teil aus den Golan-Höhen erhält.
Nach Angaben der Uni Freiburg beträgt die Menge der Reservoire 22 Mio. Km.
Der Weg zum Frieden im Nahen Osten führt also auch über den Golan.
Hier noch ein paar interessante Fakten:
Virtuelles Wasser:
Das Konzept des Virtuellen Wassers beschreibt die Idee, den tatsächlichen Verbrauch von Wasser zu messen. Beispiel Fleisch: Die Kuh muss relativ viel Futter fressen, das ebenfalls viel Wasser verbraucht. Dadurch wird auch der Verbrauch pro Kilo Rindfleisch hoch. Ebenfalls werden zu dem Verbrauch auch der mutmaßliche Verbrauch von Maschinen und Werkzeugen gezählt.
Verbrauch von Wasser:
2400 Liter für einen Hamburger
150.000 Liter für ein Auto
140 Liter für eine Tasse Kaffee
15.000 Liter für ein (!) Kilo Rindfleisch
Täglicher Verbrauch von Wasser pro Person:
Deutschland: 129 Liter
Europa (ohne Deutschland): 235 Liter
Australien: 334 Liter
USA: 339 Liter
Südamerika: 106 Liter
Afrika: 52 Liter
Quellen:
Helsinki Regeln über die Verteilung von Wasser: http://www.internationalwaterlaw.org/intldocs/helsinki_rules.html
Wasser im Nahostkonflikt:
Anette van Edig: Konflikte um Wasser. Wasserverfügbarkeit und Wassernutzung (Studie des Zentrums für Entwicklungsforschung, Bonn)
Christiane Fröhlich Zur Rolle der Ressource Wasser in Konflikten, Berlin 2006 (In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Ausgabe 25/2006)
Linda Tidwell: Das umkämpfte blaue Gold (In: Der Freitag, 40/2005)
Noah Flug und Martin Schäuble: Die Geschichte der Israelis und der Palästinenser, 2007
Henning Thobaben: Der Wasserkonflikt im Jordanbecken, 2007
http://berlin.mfa.gov.il/mfm/web/main/document.asp?DocumentID=37548&MissionID=88